10 Jahre Riester Rente
Die Riester-Rente lohnt sich – für die Versicherungsgesellschaften. Zehn Jahre nach Einführung der Riester-Rente berichtet der Spiegel unter Berufung auf Studien des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Friedrich Ebert Stiftung. Beide hätten vorgerechnet, das die Rendite von Riester-Verträgen bei Rentenversicherungen für die Versicherten erbärmlich sei. Die zugrundeliegenden Analysen sollen erst in der nächsten Woche veröffentlicht werden. Rund 15 Millionen Riester-Verträge seit 2001 rechnen sich am besten für die Renten-Versicherungen selbst, die mit hohen Abschlusskosten und neue Sterbetabellen hauptverantwortlich für die miesen Renditen sind.
Renditeergebnisse erbärmlich
Axel Kleinlein, Versicherungsmathematiker und Chef des Bundes der Versicherten, war von den Instituten damit beauftragt worden, durchzurechnen, was eine Riester Rente dem Versicherten überhaupt bringt. Einige Beispielrechnungen für eine Renten-Versicherung auf Riester-Basis, die der Spiegel bereits vor Veröffentlichung der Gutachten publizierte, geben den Grund zur Annahme, das an den Riester-Renten vor allem die Versicherungsgesellschaften verdienen.
Eine Beispielrechnung betraf eine 35-jährige Frau mit zwei Kindern, die 2011 einen Riester-Rentenvertrag abgeschlossen hatte. Diese Frau muss laut aktueller Berechnung mindestens 85 Jahre alt werden, bis sie das von ihr eingesetzte Kapital mit 2,5 Prozent Verzinsung nachher als Riester Rente wieder heraus bekommt – im günstigsten Fall. Denn sollte die Versicherungsgesellschaft in eine Krise geraten oder Misswirtschaften und nur noch die über den Garantiezins gesicherten Mindestzahlungen leisten, müsste die Frau sogar mindestens 109 Jahre alt werden. Das gelte für das von dieser Frau eingezahlte Kapital inklusive staatlicher Förderung – bezöge man es nur auf das Eigenkapital der Frau selber, müsse sie allerdings nicht so lange leben, um das eigene Geld verzinst wieder zu bekommen.
Riester Renten: Drei Stolpersteine als Renditekiller
Eine Riester-Rente rechnet sich – wenn überhaupt – nur mit den staatlichen Zuschüssen. Und hier taucht bereits das erste Problem der Riester Rente auf: Um die Staatliche Förderung zu erhalten, muss man sie auch beantragen. Laut einem aktuellen Versorgungsatlas der Union Investment macht dies ein großer Teil der Versicherten nicht. Bisher hätten erst rund 60 % für das noch nicht abgeschlossene Jahr 2009 einen solchen Förderungsantrag gestellt, erklärte Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment. Nach dieser Untersuchung haben die Riesterer im Jahr 2008 insgesamt über 850 Millionen Euro an Zuschüssen nicht beantragt.
Stolperstein Nummer Zwei sind die hohen Kosten der Riester-Rente: Bis zu ein Fünftel der eingezahlten Beiträge gehen laut Angaben von Niels Nauhauser, Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, für Vertrieb und Verwaltung drauf - was übrigbleibt wird nur mit Minizinsen verzinst. Bereits bei der Einführung der Riester-Rente waren die hohen Abschlusskosten Grund für die Kritik – man mutmaßte einen Kapitalbildungsplan für die Versicherungsgesellschaften – und nicht für die einzelnen Sparer.
Als drittes Problemfeld sind im Vergleich zur Einführung der Riester Rente veränderte Sterbetabellen der Versicherungsgesellschaften genannt: In den letzten 10 Jahren sei die Lebenserwartung halt drastisch gestiegen und für einen heute 50 jährigen würden die unterschiedlichen Versicherungsgesellschaften eine Lebenserwartung von 95 Jahr bis teilweise 103 (!) Jahre annehmen. Aus dieser prognostizierten Lebenserwartung errechnet sich die Rente, die ausgezahlt wird, denn der angesparte Kapitalstock soll schließlich nicht vorher aufgebraucht werden. Je länger die Lebenserwartung, desto geringer die ausgezahlte monatliche Rente. Wer früh stirbt, schenkt den Versicherungsgesellschaften bares Geld.
Die schlechten Ergebnisse dieser Riester-Rente Variante, gekoppelt mit dem hohen Verwaltungsaufwand beim Staat für die Auszahlung der Zuschüsse und das komplizierte Antragserfahren für die Zuschüsse stellen die Riester Rente zu ihrem 10 jährigen Geburtstag in der jetzigen Form auf den Prüfstand. Schließlich soll sich die Riester-Rente nicht nur die Versicherungen lohnen.
Was man selber tun kann
Wer bereits einen Riester-Vertrag besitzt hat wenig Auswahl: Auf keinen Fall sollte man aus Bequemlichkeit auf die staatlichen Zuschüsse und Steuervorteile verzichten – Riester-Rente ohne diese Zusatzfinanzierung rechnet sich praktisch nicht. Stecken Sie Ihr Geld dann lieber in den Sparstrumpf. Bis Ende 2011 sollte jeder, der es noch nicht getan hat, unbedingt die Zuschüsse beantragen! Den bestehenden Riester-Vertrag bei einer Rentenversicherung kündigen kann zu noch größeren Verlusten führen, hier sollte vor Panikaktionen in jedem Fall Abstand genommen werden.
Wer einen Riester-Vertrag abschließt, muss nicht unbedingt eine Riester-Rentenversicherung abschließen. Als Alternative zu den Versicherungsgesellschaften stehen auch Bausparpläne, Eigenheimförderung oder Fondsprodukte zur Wahl. Man bindet sich in der Regel für viele Jahre an einen Anbieter – lassen sie sich die Ergebnisse nicht schön rechnen und nutzen sie den eigenen Verstand: In einigen Fällen kann es lukrativer sein, sich selbst um eine Rente im Alter zu kümmern und auf Riester und Co sowie die damit verbundenen Zuschüsse zu verzichten.
Foto: Ilya Kalachev
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